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Gebäudeenergiegesetz: Ruhig Blut beim Heizungstausch

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Panik ist fehl am Platz

Seit Januar 2023 gilt das neue Gebäudeenergiegesetz. Seitdem herrscht bei vielen Hausbesitzern Verunsicherung. Muss die alte Gasheizung sofort raus? Drohen Bußgelder? Die klare Antwort: Durchatmen! Niemand muss Hals über Kopf seine Heizung ausbauen.

Bevor Sie überstürzt handeln, sollten Sie erstmal wissen, wo Ihr Haus energetisch überhaupt steht. Erst danach lässt sich klug entscheiden, welche Schritte sinnvoll sind.

Verkaufsgedanken im Hinterkopf?
Energetische Optimierung steigert nicht nur die Wohnqualität, sondern auch den Marktwert. Professionelle Begleitung verhindert teure Fehler.

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Bestandsaufnahme: Kennen Sie Ihr Haus?

Der erste Schritt klingt banal, wird aber oft übersprungen: Wie steht’s eigentlich um den Energieverbrauch Ihres Hauses?

Der Energieausweis gibt Auskunft:

  • Zeigt die Effizienzklasse (A+ bis H)
  • Vergleichbar wie bei Kühlschränken
  • Pflicht bei Verkauf oder Vermietung
  • Basis für alle weiteren Entscheidungen

Ohne diese Grundlage tappt man im Dunkeln. Der Energieausweis deckt Schwachstellen auf und hilft, Prioritäten zu setzen.

Energieberater: Qualifikation zählt

Nicht jeder, der sich Energieberater nennt, hat auch Ahnung. Die Berufsbezeichnung ist nicht geschützt – jeder kann sich so nennen.

Woran erkennt man seriöse Berater?

  • Eintrag in der Energieeffizienz-Expertenliste
  • Qualifikation wird regelmäßig überprüft
  • Berechtigt, Förderanträge zu stellen
  • Unabhängig von Herstellern

Diese Profis wissen, worauf’s ankommt und steuern nicht automatisch auf die teuerste Lösung zu.

Start im Keller: Die Heizung unter der Lupe

Qualifizierte Energieberater beginnen meist im Heizungskeller. Dort wird gecheckt:

Zustand der bestehenden Anlage:

  • Wie alt ist die Heizung wirklich?
  • Funktioniert sie noch zuverlässig?
  • Läuft sie effizient oder verschwendet sie Energie?

Optimierungspotenzial:

  • Hydraulischer Abgleich durchgeführt?
  • Pumpen auf dem neuesten Stand?
  • Rohre richtig gedämmt?

Allein durch Optimierung der vorhandenen Technik lassen sich oft 15 bis 20 Prozent Heizenergie einsparen – ohne Kompletttausch.

Fernwärme: Die unterschätzte Option

Bevor Sie über Wärmepumpen oder neue Gasthermen nachdenken, prüfen Sie: Gibt’s Fernwärme in Ihrer Gegend?

Vorteile von Fernwärme:

  • Keine eigene Heizungsanlage nötig
  • Kein Schornstein, kein Brennstofflager
  • Wartungsarm und platzsparend
  • Oft günstiger als gedacht

Wo lohnt sich’s?

  • Vor allem in Städten und Ballungsräumen
  • Kommunale Wärmeplanung gibt Auskunft
  • Anschluss manchmal sogar gefördert

Im ländlichen Raum sieht’s anders aus – da endet das Fernwärmenetz meist an der Stadtgrenze.

Wärmepumpe: Für wen macht sie Sinn?

Auf dem Land oder in Gegenden ohne Fernwärme führt oft kein Weg an der Wärmepumpe vorbei. Bis 2040 soll der Anteil erneuerbarer Energien beim Heizen auf 60 Prozent steigen.

Was spricht für die Wärmepumpe?

  • Nutzt Umweltwärme aus Luft, Erde oder Wasser
  • Keine fossilen Brennstoffe nötig
  • Langfristig niedrigere Betriebskosten
  • Fördermittel verfügbar

Aber Achtung:

  • Stromkosten nicht unterschätzen
  • Funktioniert am besten in gut gedämmten Häusern
  • Kombination mit Photovoltaik senkt Kosten deutlich
  • Nicht für jedes Altbaugebäude geeignet

Wer eine Wärmepumpe plant, sollte gleichzeitig über Solarstrom nachdenken. Die erzeugte Energie lässt sich direkt für die Pumpe nutzen.

Gebäudehülle: Das vergessene Einsparpotenzial

Viele konzentrieren sich auf die Heizung und vergessen dabei die Gebäudehülle. Dabei verpufft hier oft die meiste Energie.

Wo entweicht Wärme?

  • Ungedämmtes Dach (bis zu 30 Prozent Verlust)
  • Alte Fenster (bis zu 25 Prozent Verlust)
  • Ungedämmte Außenwände (bis zu 35 Prozent Verlust)
  • Kellerdecke ohne Dämmung (bis zu 10 Prozent Verlust)

Sanierungsreihenfolge:

  1. Dach dämmen (größter Effekt)
  2. Fenster erneuern (zweitgrößter Effekt)
  3. Außenwände dämmen
  4. Kellerdecke dämmen

Eine neue Heizung in einem Energiesieb bringt wenig. Erst dämmen, dann heizen – diese Reihenfolge spart bares Geld.

Verhaltensänderung: Kostenlos und sofort wirksam

Neben baulichen Maßnahmen hilft auch bewusstes Verhalten:

Kleine Änderungen, große Wirkung:

  • Stoßlüften statt Dauerkippen (spart 10-15 Prozent)
  • Raumtemperatur um 1 Grad senken (spart 6 Prozent)
  • Heizkörper freihalten, nicht zustellen
  • Nachtabsenkung nutzen
  • Türen zwischen unterschiedlich beheizten Räumen schließen

Diese Maßnahmen kosten nichts und wirken sofort. Oft unterschätzt, aber messbar effektiv.

Förderungen: Geld vom Staat

Energetische Sanierung kostet erstmal Geld. Doch der Staat unterstützt großzügig.

Bundesförderung für effiziente Gebäude (BEG):

  • Bis zu 40 Prozent Zuschuss möglich
  • Für Einzelmaßnahmen oder Komplettsanierung
  • Anträge beim BAFA (Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle)

KfW-Programme:

  • Zinsgünstige Kredite
  • Tilgungszuschüsse bei energetischer Sanierung
  • Kombinierbar mit BAFA-Förderung

Landesförderung:

  • Jedes Bundesland hat eigene Programme
  • Manchmal zusätzlich zu Bundesförderung nutzbar
  • Vorher checken lohnt sich

Wichtig: Förderanträge müssen VOR Beginn der Maßnahme gestellt werden. Wer erst baut und dann beantragt, guckt in die Röhre.

Stufenplan: So gehen Sie vor

Nicht alles muss auf einmal passieren. Ein durchdachter Stufenplan verhindert Überforderung:

Phase 1: Analyse (Monate 1-2)

  • Energieausweis besorgen
  • Energieberater beauftragen
  • Schwachstellen identifizieren
  • Prioritäten setzen

Phase 2: Planung (Monate 3-4)

  • Maßnahmen konkretisieren
  • Angebote einholen
  • Förderanträge stellen
  • Finanzierung klären

Phase 3: Umsetzung (Monate 5-12)

  • Mit wichtigsten Maßnahmen starten
  • Qualität kontrollieren
  • Fördergelder abrufen

Phase 4: Nachjustierung (ab Monat 13)

  • Verbrauch überprüfen
  • Nachbesserungen vornehmen
  • Weitere Maßnahmen angehen

Rom wurde auch nicht an einem Tag gebaut. Wichtig ist, überhaupt anzufangen.

Mythen und Missverständnisse

Rund ums GEG kursieren viele Falschinformationen:

Mythos 1: „Alle müssen sofort ihre Heizung tauschen“

  • Stimmt nicht. Bestehende Heizungen dürfen weiterlaufen
  • Austauschpflicht gilt nur für sehr alte Anlagen (über 30 Jahre)

Mythos 2: „Gasheizungen sind komplett verboten“

  • Stimmt nicht. Neue Gasheizungen sind erlaubt, wenn sie später auf Wasserstoff umrüstbar sind oder mit Biomethan betrieben werden

Mythos 3: „Wärmepumpen funktionieren in Altbauten nicht“

  • Stimmt so pauschal nicht. Mit guter Dämmung und Niedertemperatur-Heizkörpern geht’s auch im Altbau

Mythos 4: „Förderungen gibt’s nur für Neubauten“

  • Falsch. Gerade Bestandsgebäude werden besonders gefördert

Fazit: Gelassen bleiben und klug planen

Das GEG ist kein Grund zur Panik. Niemand muss überstürzt handeln. Besser: Systematisch vorgehen, Fachleute einbinden und Förderungen nutzen.

Die energetische Sanierung lohnt sich mehrfach:

  • Niedrigere Heizkosten Jahr für Jahr
  • Höherer Wohnkomfort durch besseres Raumklima
  • Wertsteigerung der Immobilie
  • Beitrag zum Klimaschutz

Wer jetzt vorausschauend plant, hat später weniger Stress und mehr Geld im Portemonnaie.

Sanierungsvorhaben in Planung?
Eine fundierte Einschätzung durch Experten hilft, die richtigen Prioritäten zu setzen und teure Fehlinvestitionen zu vermeiden.

 

In diesem Text wird aus Gründen der besseren Lesbarkeit das generische Maskulinum verwendet. Weibliche und anderweitige Geschlechteridentitäten werden dabei ausdrücklich mitgemeint, soweit es für die Aussage erforderlich ist.

Rechtlicher Hinweis: Dieser Beitrag stellt keine Steuer- oder Rechtsberatung im Einzelfall dar. Bitte lassen Sie die Sachverhalte in Ihrem konkreten Einzelfall von einem Rechtsanwalt und/oder Steuerberater klären.

 

Foto: ©stockasso/Depositphotos.com

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